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05.08.2020

„Durch den Lockdown ist manchen Kunden wieder klar geworden, worauf es ankommt“

Bei der Frühjahrskonjunkturumfrage 2020 herrschte noch großer Optimismus. Mittlerweile wirkt sich die Corona-
Krise jedoch auch auf die Elektrohandwerke aus.

Die „Elektro-Krüger“-Maske mit Firmen-Emblem ist der absolute Renner, so Christian Krüger (links) und sein Mitarbeiter. Foto: DZL

Eine aktuelle Umfrage des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) zeigte nun: Die elektrohandwerklichen Innungsbetriebe trifft die Krise momentan noch etwas weniger als andere Gewerke. Hält die Krise an, werden aber auch sie zunehmend betroffen sein. Rund 2.000 Elektro-Innungsbetriebe beteiligten sich in nur drei Tagen an der Sonderumfrage. Dabei zeigte sich: Rund 60 Prozent verzeichneten infolge der Corona-Pandemie Umsatzrückgänge.
Bei 40 Prozent hatte die Krise diesbezüglich keine oder noch keine Auswirkungen. Das liegt zum einen daran, dass elektrohandwerkliche Betriebe nicht so stark von Schließungen betroffen waren, wie andere Handwerke. Zum anderen verfügten, das hatte die Frühjahrsumfrage ergeben, mehr als die Hälfte der Betriebe über ein Auftragspolster von bis zu zwei und mehr Monaten. Lediglich 24,7 Prozent der Betriebe hatten Ende März auf die Krisensituation mit Arbeitszeitverkürzungen oder Ähnlichem reagiert – ein relativ geringer Prozentsatz im Vergleich zur Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Ein Grund hierfür, so vermutet der ZVEH, könnte sein, dass die Elektrohandwerke im Gegensatz zu anderen Gewerken, wie beispielsweise Kosmetikstudios oder Bäckereien mit Cafés, deutlich weniger von behördlichen Auflagen betroffen waren. Die Frage nach Lieferengpässen zeigte, dass 30,7 Prozent der Befragten Probleme hatten Produkte aus der Elektroindustrie zu beziehen. Dabei waren Produkte aus dem Bereich „Licht und Beleuchtung“ mit 51,3 Prozent am stärksten betroffen. Dass sich die Situation auch bei den Elektrohandwerken verändert hat, zeigt sich deutlich am Einbruch des Geschäftsklimaindex: Bei der Frühjahrsumfrage hatte dieser bei erfreulichen 88,2 Punkten gelegen. Bei der Befragung Ende März sank dieser auf 55,6 Punkte hinab. Während in der Vor- Corona-Befragung noch 78,8 Prozent der Innungsbetriebe ihre Geschäftslage als „gut“ bezeichneten, waren es nun lediglich noch 30,1 Prozent.

Christian Krüger von der Krüger Elektro GmbH aus Ludwigshafen hat uns in einem kurzen Interview interessante Einblicke zu der aktuellen Situation durch die Corona-Pandemie für seine Firma und das Elektrohandwerk gewährt. Der familiäre Fachbetrieb steht seit 1985 als kompetenter Ansprechpartner mit qualitativ hochwertigen Produkten und Dienstleistungen seinen Kunden zur Verfügung. Seniorchef Bernd Krüger leitet bereits seit dem Jahr 2001 hoch engagiert als Obermeister die Geschicke der Innung der Elektro- und Informationstechnik Vorderpfalz. Da die Elektrobetriebe durch den täglichen Kundenkontakt sozusagen an der Front stehen, gilt natürlich ein besonderes Augenmerk den Hygienevorschriften. Aber auch zum Thema Kinderbetreuung konnte Christian Krüger einiges berichten. In Zeiten von geschlossenen Kindergärten durfte so auch Sohn Constantin mit großer Begeisterung seinen Vater auf die eine oder andere Baustelle begleiten.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise konkret auf Ihr Geschäft?
Die Corona-Krise hat, denke ich, jedes Unternehmen individuell auf seine eigene Art getroffen. Aufgrund der breiten Aufstellung unseres Unternehmens konnten wir gewisse Aufträge trotz diverser Auftragsabsagen gut abfangen. Allgemein war es in der Zeit des Lockdown am Telefon deutlich ruhiger, der Emailposteingang war dennoch regelmäßig voll.

Wie ist die Stimmung innerhalb Ihres Betriebes?
Die Stimmung ist weiterhin gut. Die Ausnahmeregelung der „telefonischen Krankmeldung“ hat auch unsere Firma getroffen, aber ich muss unserem Team meinen größten Respekt zollen, dass alle so toll hinter uns und unserem Unternehmen stehen und quasi „den Kopf hinhalten“ in dieser für jeden von uns schwierigen Zeit! – ich denke, dies ist nicht selbstverständlich.

Welche besonderen Herausforderungen gibt es für Ihr Gewerk zu meistern?
Wir müssen, wie andere Gewerke auch, den persönlichen Kontakt einschränken, in gewissen Bereichen wie Altersheimen, Krankenhäusern, in welchen wir auch tätig sind, Mundschutz, bzw. Schutzkleidung tragen, usw.

Welche besonderen Hygiene/Sicherheitsmaßnahmen haben Sie getroffen?
Wie oben beschrieben müssen wir verschärft in Altersheimen, Krankenhäusern und Wohnheimen Mundschutz, bzw. Schutzkleidung tragen. Dazu müssen alle unsere Mitarbeiter Desinfektionsmittel mit sich führen und natürlich nutzen. Auch in den Büroräumen werden die Oberflächen nach jedem Kundenkontakt desinfiziert.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Kunden in dieser Zeit?
Allgemein ist durch den Lockdown manchen Kunden wohl wieder klar geworden, worauf es ankommt. Trotz allem – so scheint es – ist es durch Homeoffice aber auch so, dass viele nun auf die Idee kommen, umzubauen und der Handwerker muss sofort parat stehen. Heute Mittag die Arbeit angeschaut, heute Abend muss der Kostenvoranschlag beim Kunden sein und morgen wird angefangen zu arbeiten. Ich weiß nicht, wie es da bei den Kollegen geht, aber wir haben leider noch keinen Bäcker, der uns die Fachkräfte backt. Wir sollten uns mal mit dem Bäckerhandwerk zusammenschließen, ich sehe eine großartige Kooperation :-).

Trotz dem Ernst der Lage, gab es auch lustige Erlebnisse in dieser Krisenzeit?
Gerade in der Krisenzeit ist es wichtig, dass man auch mal lachen kann. Wenn man ein Kind im Kindergartenalter hat, welches direkt von dessen Schließung betroffen ist, muss man – auch als Selbstständiger – improvisieren. Da zieht man dann eben die Mund- und Nasenmaske auf und fährt hin und wieder mit Nachwuchsverstärkung seine Baustellen ab. Der kleine Zwerg ist begeistert und der Kindergarten wird zur Nebensache. Apropos Maske: Aufgrund dem Näh-Hobby meiner Frau komme ich in den Genuss einer eigenen „Elektro- Krüger“-Maske mit unserem Firmen- Emblem. Diese haben wir in Facebook geteilt, das war der absolute Renner. Sogar die Kollegen der „badischen Seite“ haben angerufen, ob sie auch so eine Maske mit ihrem Emblem haben könnten. Ich denke die Bilder sprechen für sich :-).

Haben Sie Erfahrungen mit den staatlichen Hilfeleistungen?
Leider, bzw. zum Glück muss man da wohl eher sagen, (noch) nicht. Wir hoffen, dass wir auch weiterhin für unsere Kunden ohne großartige Einschränkungen tätig werden dürfen. Aber ich mache mir aufgrund der aktuellen Lage und den Lockerungen da eher weniger Kopfzerbrechen.

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